Das Mosbacher Lumpenglöckle

Das Lumpenglöckle ist eine von drei Glocken im historischen Rathaus am Marktplatz. Sie stammt aus der ehemaligen Cäcilienkirche von vor 1458 (die Kirche stand an der Stelle des jetzigen Rathauses) und ist die älteste Glocke. 

Sie hat eine Höhe von 92 cm, einen Durchmesser von 116,5 cm und einen Umfang von 205 cm. Sie hat am Rande der Haube einen Zinnenkranz, darunter eine Inschrift in spätgotischer Minuskel: "anno domini mcccc und in dem Lviiii iar ist dise glock gemacht worn in aller gottes heiligen ere amen" (Im Jahre des Herrn 1000, 400 und in dem 58. Jahr (1458) ist diese Glocke gemacht worden in aller heiligen Gottes Ehre Amen). Dargestellt sind außerdem eine Kreuzigungsgruppe mit Maria und Johannes und die heiligen Laurentius und Stephanus.

Die Glocke wird im Volksmund als „Lumpenglöckle“ bezeichnet. Sie wird allabendlich um 22.45 Uhr geläutet.

Dies wird auf eine Sage von der Pfalzgräfin Johanna zurückgeführt (gestorben 1444), die sich bei der Jagd in den Wäldern um die Stadt verwirrte und um dreiviertel elf (22:45 Uhr) nur dank des Glockenläutens schließlich die Tore der Stadt erreichte. Im Gedenken an den guten Ausgang schlägt in Friedenszeiten seit diesem Tag „’s Lumbeglöggle“ Tag für Tag um diese Uhrzeit.

Da die Pfalzgräfin bei ihrer Rückkehr ins heimatliche Schloss vor Freude geweint haben soll, wurde die Glocke zunächst „Weinglocke“ genannt. Später bezog man diesen Namen auf den Wein, und die Glocke mahnte die Wirtshausbesucher endlich nach Hause zu gehen. So wurde sie schließlich zur Lumpenglocke.
Einen hörbaren Eindruck der Rathaus-Glocken kann man auf verschiedenen Kanälen, u.a. auf dieser Seite (Youtube) bekommen.