„Natur nah dran“-Flächen sind wertvolle Winterquartiere
Unaufgeräumter Garten nützt Natur und Umwelt: Struppige Pflanzen bieten im Winter Wildbienen, Schmetterlingen und anderen Tieren Nahrung, Schutz und Nistplätze.
Vertrocknet, verblüht, struppig: So sehen in den Wintermonaten einige „Natur nah dran“-Flächen in Mosbach aus. Doch was auf den ersten Blick für manche Menschen ungepflegt wirken kann, erfüllt wichtige ökologische Funktionen: Die verblühten Wildpflanzen bieten in der kalten Jahreszeit Nistquartiere für Insekten und Nahrungsquellen für Vögel.
Wer jetzt die verholzten Stängel verblühter Wildpflanzen stehen lässt, trägt dazu bei, dass im Frühjahr eine neue Generation Insekten und Bienen schlüpfen kann. Aber auch ausgewachsene Insekten überwintern in und an den Stängeln. Für viele Vögel sind die Beete ebenfalls wichtig, da sie im Winter auf die Samen von Flockenblumen, Disteln oder Karden angewiesen sind.“
Erst wenn im Frühjahr die Temperaturen steigen, werden die Staudenbeete behutsam gemäht. Wiesenflächen hingegen erhalten ihren regulären, zweimal jährlichen Schnitt, um artenreich zu bleiben. Viele Pflanzen überwintern als kleine Blattrosetten direkt am Boden. Das Entfernen des Schnittguts ist wichtig, damit die zarten Jungpflanzen Licht, Platz und Luft bekommen und nicht von welkendem Pflanzenmaterial erdrückt werden. Außerdem wird so die unerwünschte Anreicherung des Bodens mit Nährstoffen verhindert. Denn Wildpflanzen gedeihen am besten auf magerem, nährstoffarmem Boden. Doch auch hier lässt die Stadt Mosbach bewusst kleine Rückzugsbereiche aus Altgras stehen. So entsteht ein buntes Mosaik an Lebensräumen, das vielen Tierarten über den Winter hilft.
Um Passantinnen und Passanten zu informieren, dass die scheinbar „unordentlichen“ Flächen bewusst so gestaltet sind, hat die Stadt Mosbach Hinweisschilder aufgestellt. Diese erklären, dass das Stehenlassen von Wildpflanzen kein Zeichen mangelnder Pflege ist, sondern einen wichtigen Beitrag gegen das Insektensterben darstellt.
Im Jahr 2018 hat die Stadt Mosbach im Rahmen des Kooperationsprojekts „Natur nah dran” des NABU und des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg (UM) mehrere Grünflächen in artenreiche Wildpflanzenbiotope umgewandelt.
Mit den kleinen, 2018 geschaffenen Natur nah dran-Oasen will die Stadt nicht nur dem Insektensterben entgegenstehen und die Klimaanpassung befördern, sondern noch viel mehr erreichen: nämlich ihre Bürgerinnen und Bürger. Denn statt den eigenen Garten mit kurz gemähtem Rasen und für Bienen & Co. nutzlosen Zucht- und Zierpflanzen anzulegen, wäre es sinnvoller, den eigenen Grünbereich naturnah als Blumenwiese mit insektenfreundlichen Pflanzen regionaler Herkunft umzugestalten. Damit trägt man nicht nur seinen kleinen Teil gegen das Bienensterben und für mehr Klimaanpassung bei, man spart sich auf lange Sicht aufwändige Arbeit und hat zudem noch etwas fürs Auge.
Gleichzeitig wappnen sich die Städte damit auch gegen den Klimawandel. Denn Verkehrsinseln mit Wildstauden, Wildblumenwiesen im Park oder heimische Sträucher am Straßenrand blühen auch in Zukunft bunt, da die Wildpflanzen gelernt haben, mit Hitze, Trockenheit und kurzzeitiger Staunässe zurechtzukommen. Dahingegen werden mit den trockener und heißer werdenden Sommern die noch weit verbreiteten Blumenbeete mit exotischen Zuchtpflanzen sowie kurz gemähte Rasenflächen deutlich pflegeintensiver. Deren Bewässerung wird immer teurer, deshalb lohnt es sich sowohl für Kommunen, aber ganz besonders auch für die Bevölkerung, die Flächen umzuwandeln und zwar nachhaltig.
Hintergrund:
Das Kooperationsprojekt „Natur nah dran“ von NABU und Land wird gefördert durch das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg. Ziel ist es, Städte und Gemeinden mit Rat und Tat dabei zu unterstützen, Grünflächen im Sinne der Biodiversität umzugestalten. Seit 2016 wandelten 121 Kommunen fast 300.000 Quadratmeter naturnah um.


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