Nigeria - R. Iselobhor

Mein Name ist Reis Iselobhor. Ich komme aus Nigeria und ich möchte Ihnen etwas über mich erzählen.

IWGR_ISELOBHOR_ReisEs war 2014 nach der Uni, als meine Probleme anfingen. Ich hatte lange erfolglos nach einer Arbeit gesucht. Eines Tages lernte ich jemanden kennen, der mir versprach, mir dabei zu helfen und ich setzte darauf meine letzte Hoffnung. Als er mir dann über die Arbeit informierte, die er mir anbieten wollte, für die ich einen hohen Lohn bekommen und bei welcher niemandem unterstehen sollte, war ich schockiert. Ich sollte als Informanten und Killer arbeiten!

Das kam für mich nicht in Frage, besonders auf Rücksicht auf meine Eltern, obwohl wir alle dringend Geld gebraucht hatten. Die Person ließ mir aber keine Ruhe mehr, nachdem sie mir das Angebot gemacht hatte. Sie rief mich am folgenden Tag an und sagte, jetzt, da ich „ihr Geheimnis“ kenne, müsse ich diese Arbeit annehmen. Sonst bin ich ihr nächstes „Ziel“, da sie sich sicher sei, dass ich sie verraten werde und ihr „Geheimnis“ preisgeben werde. Sie werde mich suchen und töten.

Als ich das gehört habe, habe ich zuerst sofort meinen Vater informiert, bin dann seinem Rat gefolgt und zur Polizei gegangen. Ich wusste nicht, dass diese Person und seine Gruppe mit der Polizei zusammenarbeiten! Danach fing ich ernsthaft, mir Sorgen um mein Leben zu machen, weil ich ab diesem Zeitpunkt ständig Anrufe von unbekannten Nummer bekommen hatte, bei denen die Anrufer wieder aufgelegt hatten. Meine Mutter riet mir an, ich solle das Dorf verlassen und mich in der Stadt Lagos verstecken. Aber Lagos war keine Option für mich, da die Kriminellen Kontakte überall hatten. So habe ich mich entschieden, das ganze Land zu verlassen, nachdem mir klar wurde, dass mich keiner beschützen konnte.

Von Nigeria nach Libyen habe ich zwei Wochen gebraucht. In Tripoli habe ich 3 Monate in einer Auto-Waschanlage gearbeitet, um etwas Geld zu verdienen, was mir dringend fehlte. Das Leben als Ausländer in Libyen war ähnlich wie das eines „Tieres“. Ma konnte ständig überfallen, bestohlen, geschlagen oder ermordet werden, fast alle jungen Männer dort waren bewaffnet. Ich musste tatenlos zusehen, wie zwei erkrankte nigerianische Kollegen vor meinen Augen aus fehlender medizinischer Versorgung starben. Um es kurz zu sagen, das Leben in Libyen war die Hölle auf Erden, dort konnte ich nicht lange weiter bleiben. Ich sparte 300 Dinar für die weitere Flucht Richtung Italien, obwohl niemand Garantie haben konnte, dieses Land jemals lebend zu erreichen. Ich verließ ein Leben in Unsicherheit und betrat ein neues, genauso ungewisses!

Ich verbrachte 2 Nächte auf dem Meer, bevor ein italienisches Rettungsboot uns gerettet und in Sizilien abgesetzt hatte. Von dort wurden wir dann in ein Flüchtlingslager in Verona gebracht. Dort war die Versorgung sehr schlecht, es fehlte an allem, man hatte wenig zu essen, niemanden, mit dem reden konnte, keine Zukunft.

Ich setzte meine Flucht nach Deutschland fort und war in Rosenheim angekommen. Dort wurde ich von der Polizei festgenommen, weil ich keine Reisedokumente dabeihatte. Ich verbrachte eine Nacht in der Polizeistation und am folgenden Tag bekam ich ein Zug-Ticket nach Karlsruhe und ein Einweisungspapier für das dortige Camp. Dann wurde ich nach Mannheim versetzt und von dort aus war ich am 10. März 2016 nach Mosbach gezogen.

Mein Leben in Deutschland war am Anfang sehr schwer, weil ich kein Wort Deutsch sprechen konnte. Ich bin trotzdem auf die Menschen zugegangen, um einfach mit Einheimischen zu sprechen oder auch nach etwas zu fragen. Oft war die Antwort: „Ich verstehe kein Englisch“. Auch ich konnte damals nicht verstehen, wenn die Leute mir oder über mich etwas sagten. Umso mehr bin ich froh, dass ich bald darauf einen Deutschkurs und später die Berufsschule besuchen konnte. Mittlerweise habe ich eine Berufsausbildung zum Bauten- und Objektbeschichter erfolgreich abgeschlossen und im Moment mache ich noch den Maler und Lackierer Gesellenbrief.

Was den Rassismus betrifft, so habe ich ihn, seitdem ich in Mosbach lebe, zum Glück nicht erlebt. Aber ich hatte eine schlimme Erfahrung in Mannheim gemacht, die ich nie vergessen werde. Ich hatte mich einmal mit einer jungen Frau ganz normal unterhalten. Plötzlich kam ein Mann auf uns zu, schrie mich an und sagte, ich solle dieses Land sofort verlassen, ich hätte hier nichts zu suchen. Der Frau sagte er, sie solle Acht nehmen vor den Flüchtlingen, alle seien gefährliche Terroristen und wollten nur den deutschen Pass bekommen. Die junge Frau bekam Angst und ist gegangen. Ich war sehr traurig und sprachlos. Der Mann kannte mich überhaupt nicht, wieso sagte er so etwas Schreckliches über mich?

Ich wünschte, alle Menschen könnten überall miteinander in Frieden leben. Niemand sollte wegen seiner Herkunft, Hautfarbe, Religion oder sonst etwas vorurteilt oder diskriminiert werden. Denn kein Mensch hat sich ausgesucht, wo, als was, mit welcher Augen-, Haar- oder Hauptfarbe er/sie geboren oder leben wird. Von der Stadt Mosbach wünsche ich mir, dass die gute Arbeit, die bisher für die Integration von Flüchtlingen geleistet wurde, für welche wir sehr dankbar sind und die wir sehr schätzten, weiterhin fortgeführt wird und dass sie besonders junge Menschen zu guter Bildung und Ausbildung motiviert, ermutigt und sie dabei unterstützt.

 

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