Kamerun - B. Fouedjio

Ich heiße Bernard Fouedjio. Ich möchte Ihnen erzählen, warum und wie ich nach Deutschland
gekommen bin und wie ich in Mosbach lebe.

Fouedjio_Bernard_klIch bin im Dorf Bafou im Westen Kameruns geboren. Meine Mutter hatte eine Behinderung und ist gestorben, als ich noch ein kleines Kind war. Meinen Vater habe ich gar nicht gekannt, da er die Familie verlassen hatte, bevor ich geboren wurde. Ich bin mit zwei Brüdern und einer Schwester bei einer Adoptivfamilie aufgewachsen. Meine Schwester starb später an Brustkrebs. In der Stadt Duala habe ich 6 Jahre die Schule besucht. Danach absolvierte ich eine Ausbildung zum Zweirad- und Kfz-Mechaniker. Bis dahin verlief mein Leben einfach und mehr oder weniger sorglos. Bis die Werkstatt eines Tages überfallen und geplündert wurde und ich die Verbrecher bei der Polizei angezeigt hatte. Denn anstatt dass diese ins Gefängnis kamen, wurde ich verhaftet. Die Verbrecher haben ihre Beziehungen spielen lassen und die Behörden bestochen. Nach der Entlassung wurde mein Leben in Duala noch schwieriger, die Kriminellen wollten Rache üben, weil ich sie angezeigt hatte. Ich litt jahrelang unter Verfolgungen und Mordandrohungen und bin deshalb mehrmals umgezogen. Doch es hat alles nichts geholfen. So wurde für mich klar, will ich mein Leben retten und in Frieden leben, dann gibt es nur einen Ausweg: mein Land verlassen. Eine Familie hatte ich nicht, ich besaß auch nichts, Ich floh einfach um mein Leben.

So war ich eines Tages nach langen Strapazen mit dem Schiff nach Italien gekommen. Es war Winter, ich hatte weder warme Kleidung, noch genug zu Essen. Ich bekam dazu noch eine schlimme Ohrenentzündung, und durfte nicht behandelt werden, sodass ich heute auf einem Ohr taub bin und ein Hörgerät tragen muss. Einem deutschen Urlauber in Italien und glücklichen Schicksalswendungen habe ich es zu verdanken, dass ich den harten Umständen entkommen konnte. Eines Tages sprach er mich an und hatte sofort Mitleid empfunden, als ich ihm meine Geschichte erzählte und über meine Schmerzen klagte. Er nahm mich in seinem Auto mit, setzte mich irgendwo ab und sagte: „So, und jetzt sind Sie in Deutschland!“ Bald darauf traf ich wiederum zufällig auf eine Person, die Französisch sprechen konnte und mir erklärte, ich müsste sofort zu nächsten Polizeistation. Ich wurde dann nach Heidelberg zum Patrick-Henry-Village gebracht, danach kam ich in die Erstaufnahmestelle Ellwangen,
wo meine Ohrenentzündung endlich untersucht wurde. Nach einem kurzen Aufenthalt in Haßmersheim bin ich im Juli 2017 nach Mosbach umgezogen, wo ich zuerst einen vertiefenden Deutschkurs belegt hatte und seit 2018 als Vollzeitarbeitskraft bei McDonald´s beschäftigt bin.

Rassismus habe ich in Deutschland bisher nicht erlebt, im Gegenteil. Besonders in Mosbach begegne ich oft freundlichen, offenen Menschen, was mir Mut und Freude macht, weiterhin hier zu wohnen und zu arbeiten. Mein Sohn ist letztes Jahr im November in Stuttgart geboren. Ich hoffe, er und meine Freundin können zu mir umziehen. Denn ich selbst fühle mich sehr wohl hier, im kleinen, ruhigen und beschaulichen Mosbach.

Mein größter Wunsch ist es, der Gesellschaft etwas zurückzugeben, mich um bedürftige und alte Menschen zu kümmern. Deshalb ist mein Plan für die Zukunft, eine Ausbildung zum Altenpfleger zu machen.

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