Gambia - M. Sy

Ich heiße Mamy Sy und lebe seit fünf Jahren in Mosbach.
Ich möchte Ihnen meine persönliche Geschichte erzählen.

SY, MamyIch wurde in Gambia geboren und bin dort aufgewachsen. Als Teenager lebte ich ein normales Leben wie alle Mädchen in meinem Land. Ab einem gewissen Moment allerdings begann ich mich sexuell anders zu orientieren als meine Gesellschaft und meine Religion es für Frauen vorsehen oder vorschreiben, zu leben. Ich fühlte mich nicht von Jungs, sondern von Frauen angezogen.

Ich dachte, ich könnte mit dem Lesbianismus leben, ohne Gefahr in meinem Land zu laufen, abgestempelt, abgelehnt oder verachtet zu werden. Leider hatte ich mich gewaltig geirrt und wurde von den heftigen Reaktionen zutiefst schockiert. Denn zuerst wurde ich von meiner eigenen Familie ausgestoßen. Meine Tante, bei der ich lebte, wusste schnell von meiner Homosexualität und erzählte darüber allen in der Familie.

Mein Leben war ab dann unsicher, denn die öffentliche Meinung konnte solche Verhaltensweisen nicht zulassen. Ich musste dann mein Land nach Senegal verlassen, wo ich eine Weile übernachtet habe. Danach musste ich weiter nach Mauretanien, trotz der Schwierigkeiten der Reise, weil mir die Mittel wirklich fehlten. Ich musste um Hilfe bitten. Ja. Von LKW zu LKW nach Marokko. Ich dachte, wenn ich in Marokko bin, wird es besser, aber mein Leiden war dort erst am Anfang. Manchmal blieb ich einen ganzen Tag ohne Essen, aber ich biss mich zusammen und konzentriere mich auf mein einziges Ziel: nach Deutschland zu kommen. Aus Marokko bin ich über das Mittelmeer nach Spanien gefahren und von dort aus habe ich meine Reise nach Deutschland fortgeführt.

Was den Rassismus betrifft, so habe ich ihn, seitdem ich in Mosbach lebe, zum Glück noch nie erlebt.
Ich bin hier ein Mensch mit allen Rechten und Pflichten und kann meine Sexualität frei ausleben. Das
einzige, womit ich immer noch Schwierigkeiten habe, ist mein Aufenthaltsstatus. Dieser Status
blockiert mich und macht es für mich extrem schwer, eine längerfristige Arbeit zu finden.
Mein Wunsch ist es, dass meine Bemühungen bei den Behörden endlich fruchten, einen rechtmäßigen
und dauerhaften Aufenthaltsrecht zu bekommen, denn nur damit wird es möglich, eine stabile Wohnund
Arbeitssituation zu haben und nur so kann ich mir meinen größten Wunsch erfüllen, wirkliche
Teilhabe am wirtschaftlichen und sozialen Leben in der Gemeinschaft.

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