Afghanistan - A. Moradi

Ich heiße Aziz Moradi. Ich komme aus Kunduz, aus Afghanistan und dies ist in Kürze meine Geschichte.

MORADI_Aziz_klAls ich das Licht der Welt Ende der 70er Jahre erblickte, tobte in meinem Land ein heftiger, blutiger Krieg, der bekanntlich jahrelang andauern sollte. Mein Vater musste aufgrund der bewaffneten politischen Konflikte in den Iran entfliehen. Kurz darauf holte er uns zu sich nach. Rückblickend muss ich nicht lange nachdenken, um die Frage zu beantworten, ob es gut war, schon damals die Flucht zu ergreifen und die Heimat zu verlassen. Denn bis heute kämpft leider jeder gegen jeden in Afghanistan und kaum wird ein Konflikt an einer Front beendet, entflammt ein anderer anderswo. So viel Leid und so viel Tod, umsonst und kein Ende in Sicht.

Für mich, meine Frau und unsere eigenen Kinder musste ich selbst später die gleiche Entscheidung treffen. Zwar hat der Iran seit Jahrzenten Hunderttausende Flüchtlinge, die vor Krieg und Unsicherheit in Afghanistan ins benachbarte Land geflohen sind, aufgenommen und zum Teil staatlich anerkannt. Allerdings wurden diese als Menschen „zweiter Klasse“ behandelt, ihnen wurden die Menschenrechte verweigert, ihre Kinder durften die Schule nicht besuchen und irgendwann begannen iranische Sicherheitskräfte sogar, die Geflüchteten in ein Afghanistan abzuschieben, was noch gefährlicher ist, als es zu dem Zeitpunkt war, als die meisten geflüchtet sind. Eines Tages erhielt ich persönlich einen Brief vom afghanischen Konsulat, in welchem es stand, ich solle nach Syrien gehen. Ich habe viele Bekannte und Verwandte, die von der Regierung aufgefordert wurden, das Land zu verlassen. Und viele haben mir angeraten, in ein sicheres europäisches Land zu gehen, wenn ich weiterhin mein
Traumberuf als Fußballtrainer weiterhin üben möchte. Denn obwohl ich nie in die Schule ging, habe ich zuerst 20 Jahre meines Lebens als Maler gearbeitet, bevor ich meine Leidenschaft für den Sport und besonders für den Fußball entdeckte und ausleben konnte. Ich durfte viele Mannschaften ausbilden und trainieren und durch die Hilfe und Unterstützung meiner Schüler und ihrer Angehörigen durfte ich auch in Europa viele Tourniere organisieren.

Ich bin zunächst allein zu Fuß durch Wälder und Berge und im Auto von Schleppern die Grenze zur Türkei überquert. Später ließ ich meine Familie in die Türkei nachkommen. Im September 2015 haben wir dann alle Deutschland erreicht. Unsere Stationen waren Saarbrücken-Karlsruhe-Heidelberg, bevor wir im Dezember 2015 eine Wohnung in Mosbach Waldstatt beziehen durften. Unser Leben in Deutschland verlief bisher allgemein gut, Erfahrungen mit Rassismus hatten wir zum Glück kaum, bis auf eine einzige Person, die nicht nur mich oder meine Familie, sondern alle Geflüchteten oder andersartigen Menschen im Bus oder auf der Straße beschimpft und mit fremdenfeindlichen Äußerungen verletzt. Für sie seien wir hier alle „unerwünscht“, ist eine ihrer häufigen Anmerkungen. Wenn ich das höre, fühle ich innerlich eine tiefe Traurigkeit. Einerseits bin ich dankbar, in diesem Land zu leben, wo jeder seine Meinung haben und frei äußern darf, andererseits fehlt es mir schwer, solche Vorurteile und Beleidigungen hinzunehmen.

Wenn ich einen Wunsch frei hätte, so würde ich gern in Mosbach Fußball-Tourniere mit Mannschaften aus verschiedensten Ländern organisieren, wie es mir bereits in Berlin, Bremen und Frankfurt bereits mehrmals gelungen ist. Es waren jedes Mal nicht nur großartige Wettkämpfe geworden, sondern vor allem tolle Feste der Kulturen und des Miteinander. Ich lebe gern in Mosbach und ich würde mich sehr freuen, wenn ich auch hier ein derartiges Ereignis mit/organisieren darf. Viele tolle Menschen sind schon bereit und warten nur darauf, dabei mitzumachen.

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