Das Lumpenglöckle


Das Lumpenglöckle im RathausturmDrei Glocken beherbergt der Mosbacher Rathausturm unter seinem Dach. Um die größe und älteste der drei rankt sich folgende hübsche Sage:

Pfalzgräfin Johanna, die Gemahlin Ottos I., der von 1410-1461 in Mosbach residierte, verrirte sich eines Tages während eines Jagdausritts in den weiten Michelherd-Waldungen. In Sorge um seine ausbleibende Gattin ließ der Pfalzgraf, als die Nacht hereinbrach, die Glocken der damaligen Cäcilienkirche läuten. Ihren Klang hörte die Fürstin und er führte sie sicher wieder auf den Heimweg. Um 22.45 Uhr schließlich gelangte sie in der Dunkelheit vor dem Stadttor an - das Geläut hatte Schlimmeres verhüten können.

Seit diesem Ereignis, so ist überliefert, ertönt um die besagte Zeit allabendlich in Mosbach jene große Glocke.

Im Volksmund ist sie längst zum "Lumpenglöckle" geworden, das alle "Lumpen", die selbstvergessen zu später Stunde noch in einem Wirtshaus hocken, an die Heimkehr mahnt.

Die Pfalzgräfin Johanna als Betroffene des Sagenstoffs verleiht demselben natürlich einen ganz besonderen Reiz. Eine historische Aussage verbindet sich damit allerdings nicht: als 1458 die große Glocke gegossen wurde, hatte die Fürstin schon 14 Jahre lang das Zeitliche gesegnet. Sie starb im Jahre 1444.

Die Glocke ist reich verziert und trägt folgende Inschrift:
"anno domini MCCCC und in dem LVIII iar ist dies glock gemacht worn in aller gottes heiligen ere amen" 
also:
Im Jahre des Herrn 1400 und in dem 58. Jahr ist diese Glocke gemacht worden in aller heiligen Gottes Ehre Amen.

 

nach oben