Logo Mosbach




Dies ist ein Ausdruck aus www.mosbach.de.
Die Urheberrechte liegen bei der
Gemeinde Mosbach.
 
 

Appell an die Bundespolitik - Unterstützung Handel und Gastronomie

Oberbürgermeister Michael Jann stellt sich in einem Schreiben an die Bundestagsabgeordneten solidarisch hinter die Forderungen des Aktionsbündnisses „Handel steht zusammen“.

Pfeil 13.01.2021 14:59

Appell von Oberbürgermeister Michael Jann
an die 
Bundestagsabgeordneten des Wahlbezirks
Alois Gerig, 
Nina Warken und Chatlotte Schneidewind-Hartnagel
sowie die Minister Olaf Scholz und Peter Altmaier

 

 

Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete,

ich schreibe Ihnen, um Sie auf die besondere Betroffenheit der Einzelhändler in unserer Gesamtstadt und insbesondere der Innenstadt als Handelszentrum der Stadt Mosbach und der gesamten Region mit einem Einzugsbereich von 100.000 Einwohnern aufmerksam zu machen. Ebenso möchte ich Sie für die örtliche Händlerschaft, aber auch für die Gastronomie, in dieser besonderen (Ausnahme-) Situation während des aktuellen Lockdowns eindringlich um Unterstützung bitten.

Für Verwaltung, Gemeinderat und Bürgerschaft der Großen Kreisstadt Mosbach möchte ich mich solidarisch hinter die Forderungen des Aktionsbündnisses „Handel steht zusammen“ stellen, ihnen Nachdruck verleihen und Sie bitten, diese Forderungen einer verantwortungsvollen Prüfung zu unterziehen mit dem Ziel, sie sehr schnell in für die Zielgruppe geeignete Maßnahmen zu überführen. Die Zeit drängt und in kurzer Zeit schon könnte es zu spät dafür sein.

Die örtlichen Einzelhändlerinnen und Einzelhändler mit ihren Belegschaften tragen aktuell große Lasten, ohne hierfür die nötigen Entschädigungen zu erhalten. Die Gewährung von bloßen Fixkostenzuschüssen für Branchen beispielsweise, die für ihren Wareneinsatz in Vorleistung gehen müssen, den sie am Ende der Saison nicht mehr an den Mann/ die Frau bringen können, geht an deren Geschäftswirklichkeit vorbei und hinterlässt eine unverschuldete Ungleichbehandlung gegenüber anderen Empfängern von Staatshilfen. Gerade diese Branchen mit ihren Serviceangeboten schaffen jedoch den Erlebniswert, nach wie vor die Innenstädte und diese Geschäfte zu besuchen.

Ich sehe mich deshalb in der Pflicht, mich an Sie zu richten, weil es in erster Linie um den Schutz der weiteren Existenz und von Arbeitsplätzen von seit Generationen mehrheitlich inhabergeführten Familienunternehmen mit Schwerpunkttätigkeit im stationären Fachhandel unserer Stadt und deren Mitarbeitern geht.

Gleichzeitig jedoch geht es auch um das Fortbestehen gewachsener und verlässlicher Versorgungs- und Lebensstrukturen in unserer Stadt und Region, für die wir in Mosbach durch die Arbeit unseres Citymanagements und der Wirtschaftsförderung mit großen, langjährigen und finanziell aufwändigen Anstrengungen Sorge tragen.

Unser Ziel war und ist es, ein liebens- und lebenswertes Wohnumfeld für die Bewohner der Stadt und des gesamten Einzugsgebietes und die Attraktivität der Stadt für Bewohner, Kunden wie Besucher zu erhalten. Schon seit Beginn der Krise und gleich nach dem ersten Lockdown im Sommer haben wir in Mosbach mit großem Einsatz durch verschiedenste Maßnahmen und Aktionen versucht, die durch Frequenzverluste verursachten Einbußen für die betroffenen Branchen mit großem Aufwand zu mildern und für neue Besucher- und Kundenströme zu sorgen. Es wäre sehr bitter, wenn all diese Maßnahmen nutzlos wären und ein Veröden unserer Innenstadt und eine erhöhte Arbeitslosigkeit in unserem Raum nur um wenige Monate hinausgezögert hätten.

Selbstverständlich, so versichern mir die Vertreter des örtlichen Einzelhandels, ist man dort bereit, die als notwendig erachteten getroffenen Schutzmaßnahmen mitzutragen, auch wenn es bedeutet, die Handelsbetriebe geschlossen zu halten und damit einen Teil der gesamtgesellschaftlichen Verantwortung mit dem Preis des eigenen finanziellen Risikos für diese Krise mit zu tragen. Die aktuellen dafür angekündigten kompensatorischen Hilfen jedoch sind völlig unzureichend und ungeeignet, einen auch nur annähernden Ausgleich zu schaffen. Sie führen vielmehr dazu, dass teilweise über Jahrzehnte im Betrieb angelegte (Alters-)Ersparnisse vernichtet werden und innovative modern aufgestellte Betriebe keine Möglichkeit mehr haben, in die Zukunft zu investieren.

Die politische Entscheidung des aktuellen Lockdowns darf auch nicht zu enormen Vermögensschäden oder Existenzvernichtungen von Einzelpersonen oder Familienunternehmen führen, während der Versandhandel, Einkaufszentren, Filialisten und Discounter die Gewinner dieser Krise sind, weil sie neben der Möglichkeit des Onlinehandels auch noch die Maßnahmen, die man dem kleinen Einzelhandel zumutet, durch Konzentration von Kundenströmen ad absurdum führt, wie geschehen in der Zeit unmittelbar vor Weihnachten in großen Drogeriemärkten mit einem breiten, über deren Kernkompetenzen hinausgehenden Angebot.

Ich appelliere daher an Sie persönlich als politischer Entscheidungsträger, aber auch als Teil unserer Gesellschaft, als Bewohner, Kunde und Besucher unserer Stadt / unserer Städte, mit sinnvollen Entscheidungen und geeigneter argumentativer Unterstützung von Apellen, insbesondere auch Forderungen der Initiative #Handelstehtzusammen, dafür Sorge zu tragen, die Handelsbetriebe vor Ungleichbehandlung zu bewahren, irreparable Schäden abzuwenden und auch in Zukunft gemeinsam mit den Stadtverwaltungen lebenswerte Innenstädte zu erhalten helfen.

Mit freundlichen Grüßen

Oberbürgermeister Michael Jann

Mosbach, 13.01.2021

 

 
 

13.01.2021