15 Jahre offene Kinder- und Jugendarbeit in Mosbach

Die Stadt Mosbach blickt in diesem Jahr auf 15 Jahre offene Kinder- und Jugendarbeit zurück. Kernstück der Jugendarbeit ist das städtische Jugendhaus, in dessen Räumen am 8. November eine offizielle Jubiläumsfeier stattfindet, zu der heute schon herzlich eingeladen wird.

Pfeil 30.07.2018 10:25

Neben der offenen Jugendarbeit im Jugendhaus mit zwei Mitarbeiterinnen, zu der auch der Jugendtreff in der Waldstadt sowie die Kinderfreizeit Reichenbuch gehören, bietet die Stadt Mosbach auch in weiteren Bereichen Unterstützungsarbeit. Im Kinder- und Jugendtreff Waldsteige mit einer Mitarbeiterin liegt der Schwerpunkt auf Integrationsarbeit, an allen weiterführenden Mosbacher Schulen wirken Schulsoziarbeiter/innen und am SBBZ Lernen der Hardbergschule ein Arbeitserzieher. Unterstützt wird die Arbeit zum Teil durch engagierte junge Menschen, die ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) ableisten.
Kommunale Kinder- und Jugendarbeit ist Teil der außerschulischen Jugendbildung, Bestandteil der verantwortlich gestalteten kommunalen Daseinsfürsorge und wichtiger Standortfaktor innerhalb einer familienfreundlichen Kommune.

Jugendhaus_Mosbach_Schilder

Im Rahmen der Sitzung des Ausschusses Bildung, Kultur, Sport und Tourismus berichteten die pädagogischen Mitarbeiterinnen des Jugendhauses Mosbach, Christine Günther und Christina Leutz, über ihre Arbeit, Aufgabenschwerpunkte, Herausforderungen sowie über laufende und geplante Projekte.

Mit sechs großen Räumen und einer zusätzlichen Halle ist das, unterhalb der Alten Mälzerei gelegene Jugendhaus flächenmäßig sehr gut ausgestattet und kann auf eine große Auswahl an Freizeit- und Spielgeräten verweisen. Geöffnet hat es Dienstag- bis Freitagnachmittags und –abends; zwischen 20 und 50 Besucher/innen kommen täglich. Darunter sind – im Sinne einer inklusiven Ausrichtung – auch Jugendliche mit Behinderungen. Traditionell sind auch im Jugendhaus Mosbach die männlichen Besucher in der Überzahl. Viele der jungen Besucherinnen und Besucher haben einen Migrationshintergrund. Seit 2016 ist ein enormer Besucherzuwachs durch junge Geflüchtete zu verzeichnen, auch hier mehrheitlich junge männliche Personen. Einen Schwerpunkt legen die Jugendhausmitarbeiterinnen in die Mädchenarbeit, die Angebote und Projekte speziell nur für Mädchen anbietet. Diese Mädchengruppen finden im Jugendhaus in Kooperation mit der Lohrtal- und der Hardbergschule statt.

Das Jugendhaus bietet für seine Besucherinnen und Besucher freie offene Räume und eine sinnvolle Freizeitgestaltung. Der Alltag orientiert sich an den jeweiligen Problemlagen der Jugendlichen, die z.B. schulischer Natur, aber auch im Elternhaus begründet sein können. Auch Ärger mit Freunden, Schwierigkeiten in der Ausbildung, Sucht, Schulden, Gewalt oder fehlende Integration in die Gesellschaft sind Themen, welche besprochen und für die gemeinsam nach Lösungen gesucht wird. In die Beratung spielen auch die Auflösung klassischer Familienstrukturen, der zunehmende Einfluss Sozialer Netzwerke, das Desinteresse an kommunalpolitischen Fragestellungen bis hin zur Politikverdrossenheit und schließlich ein zunehmender Verlust an Empathie und sozialer Kompetenz eine Rolle. Die Jugendhausmitarbeiterinnen bieten durch Angebotsvielfalt und Begleitung von psycho-emotionalen Krisen eine sinnvolle Freizeitgestaltung an. Gespräche finden niederschwellig, zwanglos und lösungsorientiert statt, gemeinsam werden Handlungsstrategien entwickelt und die Mitarbeiterinnen versuchen stets deutlich zu machen, dass jemand für die Jugendlichen „da“ ist. Basis hierfür ist eine langjährige Beziehungsarbeit und Kontaktpflege.

Sowohl in den Oster- als auch in den Herbstferien organisieren und veranstalten die Jugendhausmitarbeiterinnen Ferienaktionstage für Kinder ab acht Jahren im Jugendhaus. In den ersten drei Sommerferienwochen werden bei der Kinderfreizeit Reichenbuch 60 Kinder ganztägig betreut, darunter auch Kinder mit Behinderungen. Unterstützt werden die Jugendhausmitarbeiterinnen hierbei von Erzieherinnen in Ausbildung und FSJler der Stadt Mosbach. Aufgrund des zeitintensiven Einsatzes in Reichenbuch kann in diesem Zeitraum nur ein sehr eingeschränkter Betrieb des Jugendhauses stattfinden. Der Kinder- und Jugendtreff in der Waldstadt besteht seit 2010 in einer mobilen Raumeinheit neben der Grundschule. Der Treff ist mittwochs und donnerstags geöffnet und wird pro Öffnungstag von 20 bis 30 Kindern ab sechs Jahren aufgesucht. Aufgrund der eingeschränkten Platzmöglichkeiten und der fehlenden Personalressourcen kann nur ein begrenztes Angebot geleistet werden.

Abschließend gingen die Jugendhausmitarbeiterinnen auf ein drängendes Problem ein: die Personalsituation. Durch stetigen Besucherzuwachs bei gleichzeitig wachsenden Aufgaben sehen die Kolleginnen einen großen Bedarf zur Ergänzung des Teams mit einer weiteren qualifizierten pädagogischen Fachkraft.

Oberbürgermeister Jann sieht nach den Ausführungen sowohl bezüglich des Besucheranstiegs als auch bezüglich des zunehmenden Beratungs-, Unterstützungs- und Begleitungsumfangs und der Herausforderungen bei Integration und Inklusion personellen Handlungsbedarf, an dem aus fachlicher Sicht kein Weg vorbeiführt.

Die Ausschussmitglieder des BKST nahmen den Bericht zur offenen Jugendarbeit in der Großen Kreisstadt Mosbach zur Kenntnis und bedankten sich bei Günther und Leutz für deren engagierte Arbeit.

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