Frauen sollen sich auch zu Macht und Geld bekennen

Prof. Dr. Christiane Funken referierte beim Unternehmerinnen-Forum

Pfeil 29.10.2009 09:31

Treffpunkt Mosbach Ideenwerkstatt: Genau der richtige Ort für das Unternehmerinnenforum des Neckar-Odenwald-Kreises, auch in diesem Jahr wieder neue Erkenntnisse und frische Ideen zu präsentieren. Über die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse berichtete Prof. Dr. Christiane Funken von der Technischen Universität Berlin in ihrem Vortrag "Power für Gründerinnen und Gründer: Netzwerke". Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen unter anderem "Frauennetzwerke".

Außerdem stellte sich am Freitagabend "Expert-In" vor, ein Zusammenschluss von sechs Frauen innerhalb des Unternehmerinnenforums. Die sechs Frauen sind Rechtsanwältinnen, Bankbetriebswirtin, Betriebswirtin sowie Kommunikationsdesignerin. Sie verstehen sich als Kooperationspartnerinnen und wollen ihre Qualifikationen bündeln, um sich so neue Kundengruppen zu erschließen.

Felicitas Zemelka, Vorsitzende des Forums, stellte das Konzept von "Expert-In" vor und begrüßte zunächst die Gäste, darunter Agrarminister Peter Hauk und Landrat Dr. Achim Brötel.

Professorin Funken war zunächst überrascht über "die klaren aufgeklärten Worte" von Minister und Landrat, die selbst in der Metropole Berlin nicht häufig zu finden seien. Hauks persönliches Interesse gilt "dem Erfolg der Frauen als Unternehmerinnen". Und Dr. Brötel sieht die Frauen im Zusammenhang mit Unternehmensgründungen als "Beziehungsgestalterinnen" sowie "auf dem Weg vom Denkbaren zum Machbaren". Denn wenn es um die Gründung eines Unternehmens gehe, seien Frauen oft besonders erfolgreich. Trotzdem nütze alles Reden wenig: Bisher gibt es nach Hauks Worten gerade mal drei Kreishandwerksmeisterinnen in der gesamten Bundesrepublik - und zwei davon in Baden-Württemberg.

Dr. Funken bestätigte, dass 2007/08 der Anteil der Topmanagerinnen in den obersten Etagen sogar gesunken sei. Dabei habe die Unternehmensberatung McKinsey nachgewiesen, dass mit Frauen in den Chefetagen größerer Erfolg und höherer Profit zu erzielen seien.

Am Freitagabend sollte der Blick allerdings nach vorne gerichtet sein und es zunächst um Gründungsprozesse gehen. Immerhin werden 28 bis 30 Prozent der Gründungsprozesse in Deutschland von Frauen initiiert. Dass Frauen häufig mit ihrem Wunsch, sich selbstständig zu machen, gar nicht ernst genommen werden, ist laut Dr. Funken eine traurige Tatsache. Dabei müsse "Frau" sich sogar die Antwort gefallen lassen wie: "Kommen Sie doch das nächste Mal mit Ihrem Mann wieder".

Frauen würden auf Grund festgefahrener traditioneller Rollenmuster in vielen Köpfen immer noch nicht als Unternehmerin wahrgenommen, sondern als Vertreterin ihres Geschlechts. Anstatt als Person mit ihren Qualifikationen geschätzt zu werden, schleppten sie ihr Rollenverständnis herum. Und in die informellen Netzwerke der Unternehmen kämen Frauen als Außenseiter auch nicht schnell hinein. Umso wichtiger sei es, dass sich Frauen in einer bestimmten Phase "entindividualisieren" , so Funken. Diese Funktion erfüllten Frauennetzwerke. Sie bieten den Frauen eine Solidaritätsadresse und einen Schutz- und Proberaum für ihre Ideen. Über die Attraktivität des Netzwerks entscheide dann das Renommee.

Für das Unternehmerinnenforum im Neckar-Odenwald-Kreis spricht die deutlich gestiegene Mitgliederzahl. Dr. Funken ermutigte besonders die Frauen untern den über 60 Zuhörerinnen und Zuhörern, nicht nur ideele Werte wie Selbstverwirklichung anzustreben, sondern sich auch zu "Macht und Geld" zu bekennen. Denn ihrer Meinung nach kann "Frau" beides sein - solidarisch und konkurrenzstark.

(Rhein-Neckar-Zeitung 27.10.2009 (brw))

 

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