Ein Rundgang im Stadtteil Reichenbuch und dessen Umgebung


Wanderwegsschild nach ReichenbuchFlächenmäßig wie auch nach der Zahl der Einwohner bemessen ist Reichenbuch der kleinste Mosbacher Stadtteil. 288 ha bemisst die Reichenbucher Gemarkung und 600 Menschen leben knapp 200 Meter oberhalb des Neckars, dazwischen der steile Gickelberg, durch den die bizarre Margaretenschlucht führt.

Ein Gang durch Reichenbuch, seine Geschichte und Umgebung beginnt am Waldparkplatz "Entensee" (Übersichtskarte). Er ist am leichtesten zu erreichen von der Verbindungsstraße nach Lohrbach (K 3943); vom Flugplatz kommend zweigt 300 Meter vor dem Ortsschild ein asphaltierter Feldweg rechts ab. Das Dorf hat man schon im Blick, ebenso wie die nur von wenigen Bäumen durchsetzten Ackerflächen, die den ländlichen Charakter Reichenbuchs ausmachen.

Blick von Süden Richtung Schollbrunn und KatzenbuckelVom Parkplatz führt ein schnurgerader Weg nach Westen zwischen Dorf- und Waldrand des Gewanns Buchhälde zum Wasserhochbehälter. Von dort geht der westwärts gerichtete Blick übers Neckartal zum Mittelberg, der einst vom Neckar umflossen wurde.
Im Norden erkennt man die steile Straße nach Schollbrunn und den dahinter liegenden Katzenbuckel und linkerhand hat man stets das Dorf im Auge - eingebettet zwischen Feldern und verstreuten Obstbäumen. Dass hier einmal Wald sich ausdehnte, dafür ist der Name Reichenbuch der Beleg, der den "Buchenwald des Reichart" bezeichnete. Als "Richartebuch" wird der Ort 1330 erstmals urkundlich genannt. Damals gehörte das Dorf zur pfälzischen Minneburg auf der anderen Neckarseite.

Blick über Reichenbuch vom Wasserhochbehälter ausÜber die Jahrhunderte, durch Kriegs- und Notzeiten hatte auch Reichenbuch manche Zerstörung hinnehmen müssen. Davon aber spüren die Familien, die im Neubaugebiet "Rote Äcker" südlich des Wasserhochbehälters leben, nichts. Wohl aber vernehmen sie, was die einzige Ortsrufanlage des Neckar-Odenwald-Kreises mitzuteilen hat. Denn dieses Kuriosum, ein Überbleibsel aus Zeiten, als noch nicht in jedem Haus ein Radio- oder gar Fernsehgerät vorhanden war, ertönt noch heute im ganzen Dorf - ein wohl eher nostalgischer Dienst.

Die evangelische Kirche in ReichenbuchBeim Gang von der Buchhäldehöhe ins Dorf hinunter hat man stets beide Gotteshäuser im Blick, den modernen der katholischen Herz-Jesu-Kirche (1960) und den der evangelischen Kirche mit gedrungenem Glockenturm mit verkupfertem Spitzhelm (1908). Beide werden von Lohrbach aus betreut.

Rathaus mit OrtsrufanlageEbenfalls mit kupfernem Türmchen fällt in der Dorfmitte das Rathaus auf, 1841 erbaut und damals zugleich das Schulhaus. Bürgermeister Peter Heid empfahl den Schülern seinerzeit nicht nur, den "Lehrern zu gehorchen und zu folgen", wie die Tafel über dem Eingang belehrt, sondern er und sein Gemeinderat waren es auch, die das Großherzogliche Amt Mosbach im selben Jahr "gehorsamst" um eine Glocke und eine Turmuhr ersuchten. Glocke und Uhr taten ihre Dienste bis zum Bau der ev. Kirche.

Wendet man sich vom Rathaus erneut Richtung Süden, in dem man das von drei Straßen eingefasste Fachwerkhäuschen passiert, das auch das Jugendhaus beherbergt, kommt man zu einer für ein so kleines Dorf erstaunlichen Einrichtung: das Freibad Reichenbuch. 1964 Jahren als Löschteich konzipiert, hatte man Der alte Friedhofgleich eine Umwälzanlage eingebaut, so dass das 8x20-Meter-Becken auch als Schwimmbecken genutzt werden konnte. Das Wasser hat hervorragende Qualität, die dem Umstand zu verdanken ist, dass zum Befüllen die Reichenbucher Quelle dient. Ein Förderverein sorgt (u.a. mit dem alljährlichen Schwimmbadfest) für den Erhalt dieser Reichenbucher Spezialität.

Noch wenige Schritte weiter befindet sich am südlichen Ortsausgang der alte Friedhof, ein von Moosteppichen und rauschenden Birken bewachsenes idyllisches Fleckchen, dessen Funktion längst von einem neuem Gräberfeld abgelöst wurde.

Idyllische Dachlandschaft im Reichenbucher Ortskern Auf gleichem Weg geht es zurück zum Ortskern, rechts vorbei am sandsteinernen Lindenbrunnen, den Reichenbuchs Wappen ziert und an dem ein Kastanienbaum (!) wächst. Ein paar Schritte Richtung Osten, und man biegt links in die Schulstraße ein. Sie führt vorbei am 1965 erbauten Schulhaus nebst Turnhalle, das auch von Lohrbacher Kindern genutzt wird. Zum Baukomplex gehört auch der Kindergarten.

Bald ist man wieder am Ausgangspunkt, dem Waldparkplatz. Von hier lässt sich eine schöne Wanderung ins obere Nüstenbachtal machen. Eine rote Raute weist den Weg nach Süden, mitten durch den landwirtschaftlichen Flickenteppich, in dem nach der Überquerung der Kreisstraße linkerhand ein Wäldchen auffällt. Es überdeckt das sog. "Grieweloch", eine etwa 20 Meter tiefe Doline im wasserdurchlässigen Kalkstein.

Grenzstein der Kurpfalz von 1788Der Weg der roten Raute stößt nach knapp zwei Kilometern auf die L 527, der man ca. 200 Meter nach Süden folgt, sie überquert, um durch den Hartwald hinabzusteigen. Der Weg schlängelt sich durch Mischwald, alte Buchenbestände fallen auf. Kaum zu glauben, dass an den Südhängen einst Weinbau betrieben wurde.

Mehr als einmal fallen Grenzsteine auf, die alle die gleiche Jahreszahl, Rautenwappen und Reichsapfel sowie die Initialen C und P tragen: Offensichtlich wurde dieser Bereich der einstigen Kurpfalz (Chur-Pfalz) 1788 neu vermessen.

An den bewaldeten Hängen entspringen mehrere Quellen, die sich im Nüstenbach vereinen. Mal ist ihr Wasser zu sehen, mal nur zu hören. Teilweise hat das Wasser kleine Canyons in den Waldboden gegraben.
Im NüstenbachtalIm Talgrund, nach etwa zwei Kilometern, lichten sich die Wälder, die Hartwiesen sind erreicht. Die rote Raute leitet nach rechts, aber hier soll es links hinan gehen. Bald erscheint ein kleiner, fast zugewachsener Teich. Von diesem "Frälisbrunnen", dem Fürstenbrunnen geht eine zauberhafte Mär: Wasserjungfern, die darinnen gewohnt haben sollen, wurden von Lohrbacher Bauernburschen böse geneckt, so dass sie ihre abendlichen Besuche in den dörflichen Spinnstuben mit dem Tode bezahlten.

Der KandelbrunnenDer sanft ansteigende Weg durch die Hartwiesen führt nach etwa einem Kilometer zu einem weiteren Brunnen, dem "Kandelbrunnen". Gefasst von moosbewachsenen Steinen bahnt sich das Wasser seinen Weg durch eine Pflastersteinrinne über den Talweg. Wo dieser deutlich nach rechts abknickt, hat sich nördlich des Weges einst das Dorf Hartheim befunden. Nichts deutet mehr darauf hin, dass dort, wo heute grüne Wiesen sind, sich vor mehr als 1200 Jahren ein Dorf befand, ja, dieses sogar ein fränkischer Zentralort war, von dem aus die Besiedlung des südöstlichen Odenwaldes erfolgte.

Für das Jahr 770 verzeichnet der Lorscher Codex die Schenkung der Hartheimer Basilika an das Kloster Lorsch. Um 850 enden die Aufzeichnungen über Hartheim. Es wird vermutet, dass Ungarnüberfälle in der Mitte des zehnten Jahrhunderts dazu führten, dass die Hartheimer ihr Dorf verließen. Das Auftauchen von Kohlestückchen, Sandsteinen (im Muschelkalkgrund) und Ziegeln auf den Äckern an dieser Stelle sind archäologische Belege für die einstige Besiedelung. Auch die Flurnamen "Kirchle" und "Wüst" deuten darauf hin.

Ein paar Meter weiter in Richtung Lohrbach begegnet man einem Bildstock, einem für diese Gegend untypischen religiösen Flurdenkmal. Dieser hier wurde 1982 von privater Hand errichtet. Abermals ein paar Meter talauswärts findet sich ein Wegstein, der die schwer zu entziffernde Inschrift "Verbotener Weg" trägt. Er ist ein Relikt, der an die in früheren Jahrhunderten sehr holprigen Wegeverhältnisse zwischen Lohrbach und Nüstenbach erinnert.

Der Weg zurück nach Reichenbuch führt, wenn man zum Kandelbrunnen und an ihm vorbei geht bis zum ersten Waldweg rechts. Er ist mit keinem Wanderwegzeichen beschriftet, sondern weist den Gemarkungsnamen "Vogelherd" auf. Man folgt dem Weg stets ansteigend und erreicht die Landesstraße am Waldesrand, leicht östlich von dem Punkt, an dem man sie auf dem Hinweg überquert hat.

Reichenbuch, eingebettet in Felder und AckerlandNun kann man entweder der roten Raute wieder zustreben und ihr nach Reichenbuch folgen oder einem der Wege durch die Felder folgen, die sich bieten. Reichenbuch liegt ja bereits in Sichtweite.




(Text und Fotos:
Ursula Brinkmann, freie Journalistin)


 

 Übersichtskarte: Rundgang durch Reichenbuch und Umgebung

Übersichtskarte des Rundweges durch Reichenbuch und Umgebung





 

 

 

 

 

 

 

 








Diese Karte ist lediglich eine Orientierungshilfe.

Detailliertere Wanderkarten 
erhalten Sie in der Tourist Info Mosbach oder dem örtlichen Pfeil nach obenBuchhandel.

nach oben