Ein Spaziergang auf den Rathausturm - 127 Stufen bis zur Aussicht

Vom alten Rathausturm aus hat man Mosbach voll im Blick - wie einst der Türmer

Wenn man ein Vöglein wär' .... dann könnte man von oben einen Blick werfen auf die Neckarhänge, die Reben, den Wald und die imposanten Burgen. Und dazwischen, gerade noch am Neckar, das schöne, alte Städtchen Mosbach entdecken. Wir sind aber keine Vöglein, und nicht jeder hat so viel Mut wie Onkel Kurt, der leidenschaftliche Segelflieger. Aber vielleicht reichen auch 34 Meter über der Stadt. Genau die Höhe hat der Mosbacher Rathausturm, auf den Schaulustige gegen einen kleinen Obolus hinaufklettern dürfen. Vom Parkplatz am Gartenweg oder vom Altstadt-Bahnhof Mosbach aus sind es höchstens 100 Schritte bis zum Turm.

Der Mosbacher Rathausturm über den Dächern der AltstadtEin bisschen Schweiß kostet dieser Spaziergang aber schon, denn von der schweren alten Rathauspforte bis hinauf ins Türmerstübchen sind es immerhin 127 Stufen aus Sandstein und Holz. Aber wer auf dem Turm steht, der hat nicht nur sein Pensum an Sport gemacht. Er sieht auch, fast wie das Vöglein, was im badischen Mosbach schön und alt ist: Vor allem jede Menge Fachwerk.

Auf einen Blick, ohne viel "Gelatsche", kann man von hier oben die Sehenswürdigkeiten von "Mosabach" entdecken. So hieß die Benediktinerabtei, aus der sich um 826 - das war die erstmalige urkundliche Erwähnung -, die liebenswerte, lebendige kleine Stadt entwickelte.

Auf dem Weg empor atmet der Kletterer geschichtsträchtige Luft. Denn das Rathaus, 1557 auf den Fundamenten der ehemaligen Pfarrkirche errichtet, ist mit dem ehrwürdigen Bürgersaal und den uralten Glocken selbst eine der Sehenswürdigkeiten der Stadt. Von alten Zeiten erzählen die Gemälde im Treppenhauses. Oder ein kundiger Stadtführer, der dann sicher auch die sagenhafte Geschichte vom täglich läutenden Lumpenglöckchen und der Pfalzgräfin Johanna parat hat...

Der Marktplatz mit den angrenzenden FachwerkhäusernEinen prächtigen Ausblick hatte der Türmer, der noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts mit seiner Familie tatsächlich oben im Turm wohnte, und den genießen auch die Turmbezwinger von heute. Von der schmalen Plattform draußen - nix für Angsthasen - fällt der Blick hinunter auf den lebhaften Marktplatz. Am Samstag und am Mittwoch verkaufen Landwirte aus der Region ihr Obst und Gemüse, aber auch Spezialitäten von der Forelle aus dem Gewässer nebenan bis zum Käse aus der Schweiz. Und natürlich wird dabei kräftig "gebabbelt".

Die Stiftskirche am MarktplatzErst seit 1976 gehört der Platz ganz den Fußgängern, vorher war hier Autoverkehr. Links steht eines der schönsten Fachwerkhäuser im ganzen Land, das Palmsche Haus von 1610, geradeaus prangt die imposante Stadtkirche aus dem 14./15. Jahrhundert, in der Katholiken und Protestanten, getrennt durch eine Mauer, Gottesdienst halten. "Simultankirche" nennt sich das und ist eine Seltenheit.

Rund um den Platz drängeln sich die Fachwerkhäuser, eines hübscher als das andere. Überall sind kleine Geschäfte. Am Altstadtrand sieht man, was in Mosbach heute mindestens ebenso wichtig ist wie die schönen Fassaden: Die Berufsakademie mit ihren fast 1500 Studenten, das Kultur- und Tagungszentrum Alte Mälzerei, und natürlich auch die Industrie- und Handwerksbetriebe, ohne die die Stadt nur ein Museum wäre.

25.000 Einwohner hat Mosbach, viele davon in Stadtteilen, die hinter den Hügeln versteckt sind. Dennoch: Die Stadt ist überschaubar und gemütlich geblieben, das sieht man schon von hier oben. Und egal, wohin man schaut: Gleich hinter den Häusern beginnt die Natur. Im Norden geht es richtig in den Odenwald. Oder ins wildromantische, zerklüftete Neckartal. Im Süden, Richtung Heilbronn, liegen Hochflächen, Weinberge und Felder. Wohin der nächste Spaziergang führen soll, lässt sich von hier oben schon gut planen.

Ein letzter Blick hinunter und noch schnell ein Erinnerungsfoto geschossen, dann geht es wieder abwärts. Eine schöne Tasse Kaffee im Straßencafé hat man sich jetzt wirklich verdient. Und wer alles ganz genau wissen will, schaut rasch bei der Tourist Information direkt am Marktplatz rein und holt sich die passende Mosbach-Lektüre.

(Sabine Braun, freie Journalistin)

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