Ein Rundgang im Stadtteil Lohrbach

Ein Dorf mit Geschichte und Geschichten

Eigentlich müsste ein Rundgang durch Lohrbach ein bisschen vor dem Ortsschild Lohrbach beginnen. Idealerweise steuert man das Dorf von Mosbach über die Wanderbahn an (Übersichtskarte), per pedes oder pedalierend passiert man automatisch die Lohrbacher Mühle, die man am Fuß der ehemaligen Eisenbahnbrücke erblickt.

Die Lohrbacher MühleWie die meisten Mühlen liegt sie außerhalb des Dorfes und wird schon 1468 als "bumule" genannt wird. Ein Rad allerdings dreht sich dort nicht mehr; stattdessen plätschert eines 150 Meter vor der Mühle am Rande der Wanderbahn und spendet kühlen Trinkgenuss.

Bewegt man sich aber auf dieser ehemaligen Schmalspurbahnstrecke auf Lohrbach zu, dann öffnet sich knapp 500 Meter nach der Mühle das Grün und gibt den Blick frei auf das Dorf, über Streuobstwiesen hinweg, die so typisch sind. Die Türme beider Kirche zeigen sich, man folgt der Wanderbahn noch weitere 500 Meter und erreicht den eigentlichen Ausgangspunkt für den Rundgang, die ehemalige Bahnstation mit Park- und Einkehrmöglichkeit. Zwischen 1905 und 1973 verkehrte zwischen Mosbach und Mudau der auch als "Entenmörder" bekannte Odenwaldexpress.
 
Der ehemalige Lohrbacher BahnhofGleich vier Infotafeln heißen die Erkundungsfreudigen willkommen, klären auf über die Geschichte des Dorfes, die Museumsstraße "Odenwälder Bauernhaus", die Flurbereinigung, die Wanderbahn. Hier erfährt man, dass menschliche Spuren auf Lohrbacher Gemarkung rund 4500 Jahren zurückreichen, vor allem aber, dass seine erste urkundliche Erwähnung 765 erfolgte. Das wird gern betont im Dorf, das 1972 zur Stadt Mosbach kam, deren erste Nennung erst 826 nachweisbar ist. 765 jedenfalls taucht der Name Larbach im Zusammenhang mit einer Schenkung an das Kloster Lorsch auf. Von der Zugehörigkeit zu verschiedenen Orden und Herren ragt jene Zeit im 16. Jahrhundert heraus, als Kurfürst Friedrich III von hier aus acht Monate seine Regierungsgeschäfte führte und seine zweite Frau Amalia nach dessen Tod im Schloss für mehr als zwei Jahrzehnte ihren Witwensitz nahm.

Beim "Bohhäifle" (Bahnhof) weist ein hölzernes Schild einen historischen Rundgang aus, dem man nun folgt. Zunächst die Stufen zur Kurfürstenstraße hinauf. Sie enden am Kreisel, wo einst das Dorf begann. Die Die Kirchen dominieren die Dorf-SilhouetteKurfürstenstraße verläuft von dort in Richtung Westen, ihre erste Abzweigung rechter Hand führt zur katholischen Pauluskirche, einem 1969 fertig gestellten, modernen Gotteshaus. Zwei Jahrhunderte lang zuvor hatten die Gläubigen in jenem Teil des Schlosses den Gottesdienst abgehalten, der sich durch den runden Turm von der Anlage abhebt.

Zurück auf der Straße des Kurfürsten geht es weiter Richtung Dorfmitte, und die evangelische Kirche ist zur Rechten zu sehen. Der stämmige Turm ist der älteste Teil und auf die Mitte des 14. Jahrhunderts zu datieren. Die Fresken in seinem Inneren verkündeten in vielen Szenen Inhalte der Bibel. 1514 erhielt der Turm ein Sterngewölbe, das manches Bild durchkreuzt. Das Kirchenschiff, so wie es heute existiert, hat 1818 im neuklassizistischen Stil das alte, erheblich kleinere ersetzt. Die klangvolle Orgel an der nördlichen Längswand ist ein Meisterwerk der Heidelberger Orgelbauer Overmann.

Schräg gegenüber befindet sich das evangelische Pfarrhaus, das im späten 18. Jahrhundert als stattliches Bürgerhaus mit schönem Hof und Garten errichtet wurde. Zum Ensemble gehören das ehemalige Gesinde- und Waschhäuschen - ein zweistöckiges, schmales Fachwerkgebilde - sowie das Zwetschgendarrhaus von 1812, alle links der Der LeierbrunnenKurfürstenstraße entlang der Rebengärten. Repräsentativ nimmt sich gegenüber das Rathaus mit der hohen Freitreppe aus. Den vorbestimmten Weg wieder aufnehmend reihen sich nun an der Hauptstraße des Dorfes viele schöne, teils aufwändig restaurierte Fachwerkbauten auf. Der nördliche Teil des Weges war in der Zeit Amalias eigens für die Kurfürstin mit Sandsteinplatten zwischen Schloss und Kirche belegt worden, damit der Hofstaat sauberen Fußes zum Gottesdienst kam.

Auch der alte Leierbrunnen aus Sandstein liegt am "geplatteten Gang" in der Dorfmitte und hat wie dieser zwar nicht ganz sein Bestehen eingebüßt, aber doch im Zuge des Straßenausbaus seinen ursprünglichen Charakter verloren, denn der wahrscheinlich 600 Jahre alte Brunnen ragte einst viel höher über den Boden hinaus.

Die Inschrift am Haus FriedelHat man die Dorfmitte mit Arztpraxen, Läden und Bank hinter sich gelassen, fällt am Abzweig Schiedstraße (eigentlich "Schütt" = aufgeschütteter Wall des einstigen Schloss-Sees) ein Bauerngarten im Eck beider Straßen auf. Er gehört zum Anwesen Friedel. Eine Inschrift mit mahnendem Sinnspruch am östlichen Holzeckpfosten weist dieses als das älteste Haus Lohrbachs aus: 1631.

Das Wasserschloss in LohrbachWeiter geht es auf der Kurfürstenstraße vorbei an einem weiteren Dorfbrunnen, und bald öffnet sich die Einfahrt zum Wasserschloss. Seine Anfänge dürften in die Zeit der Karolinger reichen. Eindrucksvoll erhebt sich der mächtige mittelalterliche Bergfried aus der Stauferzeit (um 1200), eindrucksvoll umgibt ein Wassergraben die Wohngebäude, die aus der Zeit der kurfürstlichen Anwesenheit stammen (16. Jahrhundert). Die Anlage zählt zu den größten Wasserburgen in Baden-Württemberg.

Alle Gebäude sind in privatem Die Basilica ArtisBesitz, so auch der beim Gang sichtbarste Teil, die einst von den Katholiken genutzte Kirche, die heute als "Basilica Artis" für Ausstellungen und Festivitäten genutzt wird. Die beim Umbau neu konstruierte Zwiebelhaube fällt im Vergleich zu den Turmmaßen zu groß aus, bietet dem Basilikabesitzer dafür aber Wohnraum.

Die Kurfürstenstraße führt nun dorfauswärts. Wieder weist ein liebevoll gerichtetes Holzschild den historischen Rundgang, rechts abbiegend führt es den Besucher steil hinauf zum Wannenbuckel. Nach wenigen Schritten stößt man rechter Hand im Garten des ehemaligen Schäfereiguts auf einen weiteren alten Brunnen, der aus 30 Metern Tiefe sein Wasser bezog. Aber es soll ja auf die Höhe des Wannenbergs und wieder hinunter Richtung Norden gehen.

Der idyllisch gelegene TannenhofNach der Überquerung des Gänsbachs zeigt ein weiteres Mal ein ins Holz gebrannter Pfeil, wo's lang gehen soll: der Tannenhof ist erreicht. Äußerst malerisch bettet er sich in das Tälchen ein mit Wohnhaus, Ställen, Scheunen, Bauerngarten und Bienenstöcken. Einst wurden hier Ziegel hergestellt, nebenher Landwirtschaft betrieben. Die Eheleute Ernst pflegen alles mit größter Sorgfalt und Zuwendung. Doch nicht nur das. Es wurden land- und hauswirtschaftliche Gerätschaften und Gegenstände zusammengetragen und in einer Heimatstube ausgestellt. Alfred Ernst kennt die Geschichte und die Geschichten dazu.

Zum Ausgangspunkt kehrt man zurück, indem man sich abermals auf die Wanderbahn begibt, die fast am Tannenhof vorbeiführt.

(Ursula Brinkmann, freie Journalistin)

 



 Übersichtskarte: Rundweg durch Lohrbach

Rundweg durch Lohrbach


























Diese Karte ist lediglich eine Orientierungshilfe.

 

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