Die Gutleutanlage in Mosbach

 


Die Gutleutanlage besteht aus dem Gutleuthaus, dem Elendshaus sowie der Gutleutkapelle und liegt im Osten der Großen Kreisstadt Mosbach. Wegen ihrer Geschlossenheit und der bewahrten Ursprünglichkeit zählt sie zu den besterhaltenen Beispielen ihrer Art in Baden-Württemberg .  

 

Die Gutleutkapelle

 

 

Abgelegen von der Stadt vor dem "Oberen Tor" entstand vermutlich im späten Mittelalter das Gutleuthaus als Heimstätte für Leprakranke (Aussätzige). Da besonders im 13. und 14. Jahrhundert die Lepra als Volksseuche verbreitet war, stammen die Leprosenhäuser aus dieser Zeit. Wegen der Ansteckungsgefahr lagen die Häuser außerhalb der bewohnten Orte. Die Leprakranken lebten in Abgeschiedenheit in einem von Mauern umgebenen Wohnbezirk meist mit einer kleinen Kirche oder Kapelle.

 

 

Gutleuthaus

Der Ursprung der Stiftung eines Gutleuthauses in Mosbach ist nicht mehr zu ermitteln. Der erste Nachweis findet sich in einer Urkunde aus dem Jahre 1418, in der Chorherr Diether von Grünsfeld seine Stiftung eines Jahrestages für sich, seine Eltern und Großeltern vom Jahre 1417 erweitert und erläutert. Da in dieser Urkunde bereits das Gutleuthaus und das Elendshaus gemeinsam erwähnt sind, muss angenommen werden, dass Mosbach zu dieser Zeit schon keine eigentlichen Leprosen mehr hatte. Das heutige Elendshaus - ein Nachfolgebau aus dem 16. Jahrhundert - diente ursprünglich als "kalte" Herberge für Fremde. 

Im Laufe der Jahrhunderte hatten die beiden Häuser eine bewegte Geschichte. Sie dienten später als städtische Armen- und Siechenhäuser zur Aufnahme Arbeitsunfähiger und Kranker. Im Jahre 1860, als der Eisenbahnbau Mosbach erreichte, wurde die Stadt beauftragt, im Elendshaus ein Spital für Eisenbahnarbeiter einzurichten. 

 

Grabsteine

Wappen des Anselm von Eycholzheim Unmittelbar am heutigen Friedhof, der erst 1520/30 vor die Tore der Stadt verlegt wurde, steht die Gutleutkapelle, die nach den Wappen der beiden Schlusssteine im Chorgewölbe zu urteilen, eine Stiftung der Pfalzgräfin Johanna von Bayern-Landshut, der Gemahlin des Pfalzgrafen Otto I. von Mosbach ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

Epitaphien und Grabplatten an der Friedhofskapelle Entstanden ist die Gutleutkapelle in der Zeit zwischen 1430 und 1440. Der Außenbau der Kapelle ist sehr schlicht. An der Nordseite sind wertvolle Epitaphien, an der südlichen Außenmauer stehen Grabplatten aus der Stiftskirche bzw. St. Juliana. Die spitzbogige Eingangstür auf der Westseite gibt es seit 1509. Vor Einfügung dieser Tür war der Zugang zur Kapelle durch eine noch auf der Südseite erkennbare, heute zugemauerte Tür möglich. Links oberhalb der Westtür befand sich eine weitere, heute ebenfalls zugemauerte spitzbogige   Tür, an deren Schwelle links und rechts zwei Kragsteine herausragen, welche eine Freikanzel trugen. Der Zugang zur Empore erfolgte im Inneren mittels einer Holztreppe.

 

 

 

 

 

 

Innenraum der Kapelle


Der Innenraum der Kapelle

  Was die Kapelle neben ihrer Zugehörigkeit zu einer mit allen wesentlichen Teilen erhaltenen Gutleuthausanlage so wertvoll macht, sind ihre Wandmalereien an den Wänden des Kirchenschiffes und an der Decke des Chores.

 

Beim Betreten der Kapelle richtet sich das Hauptaugenmerk auf den sogenannten Bildteppich an der nördlichen Seitenwand. In drei breiten Zonen wird in zwölf Bildern die Passion, in vier Bildern die Verherrlichung Jesu und in einem Bild die Taufszene erzählt. Der Zyklus beginnt in der rechten oberen Ecke mit der Darstellung der Todesangst Christi am Ölberg. Der Einzug in Jerusalem, die Fußwaschung und das Abendmahl fehlen in der Bilderfolge. Es folgen von rechts nach links: Der Verrat und die Gefangennahme. Mit diesen Szenen ist die Malchusepisode verbunden, die in der Erzählung der Evangelisten aufeinanderfolgende Gegebenheiten sind.

 

Es folgen des weiteren Jesus beim Verhör vor Kaiphas, Christus vor Pilatus, die Geißelung und die Dornenkrönung. In der zweiten Zone folgen von links: Jesus wird von Pilatus dem   Volk gezeigt - Ecce homo-, die Handwaschung des Pilatus, die Kreuztragung, die Kreuzigung, die Kreuzabnahme und die Grablegung. Mit dieser Szene schließt in der zweiten Zone die Darstellung der Passion.

 

Der Bildteppich an der nördlichen Seitenwand der Kapelle Zwischen der zweiten und dritten Zone befindet sich inmitten eines Abschlussstreifens die Jahreszahl 1496, womit eine einwandfreie Datierung der Bilderfolge vorgenommen werden kann. Die dritte Zone beginnt mit der Folge ihrer Darstellungen der Verherrlichung Jesu wiederum links mit der Szene der Auferstehung. Es folgen nach rechts die Himmelfahrt, die Sendung des heiligen Geistes (Pfingstwunder), das Weltgericht und als letztes Bild eine kleine, äußerst selten vorkommende Darstellung einer Taufszene.

 

 

 


 

Die Wappen in den beiden Schlusssteinen im Chorgewölbe In der westlichen Leibung des nördlichen kleinen Fensters befindet sich ein Rankenornament; in der westlichen Leibung auf einem Rankenornament die Figur des Jakobus mit weißem Gewand und grünem Mantel, der sowohl auf der Brust eine Muschel trägt, und sein Attribut auch in der linken Hand hält.

Auf der nördlichen Triumphbogenwand ist die Kreuzigung mit Maria und Johannes dargestellt. In der linken und rechten unteren Ecke jeweils eine Stifterfigur.

 

Auf der südlichen Triumphbogenwand ist die Darstellung der Madonna mit dem Kinde zwischen Petrus und Bischof (vermutlich heiliger Kilian) erkennbar. Darunter die Stifterfamilie, rechts die männlichen, links die weiblichen Mitglieder. Auf der Rahmung unten Doppelwappen.


 

Das Martyrium der Zehntausend

Über dem östlichen kleinen Fenster der Südwand ist innerhalb einer Rahmung mit geometrischem Muster das Martyrium der Zehntausend dargestellt. Rechts wird diese Darstellung durch eine in drei Bilder geteilte senkrechte Zone gerahmt. Oben der hl. Michael mit der Seelenwaage, in der Mitte der hl. Andreas, unten die hl. Ursula von Köln mit ihren Jungfrauen auf dem Schiff.

 

 

 

 

 

 

 

 

Evangelistensymbole zieren Teile des Deckengewölbes

Über der zugemauerten Tür ist die lebensgroße Darstellung des Christopherus aufgemalt. Im Chorraum ist die Malerei auf die Decke konzentriert. In den mit vier Sternen besetzten westlichen Gewölbefeldern erscheinen die Evangelistensymbole mit Spruchbändern (Matthäus = Engel, Markus = Löwe, Lukas = Stier und Johannes = Adler). Bemerkenswert sind auch die Rötelkritzeleien, welche in der Kapelle überstrichen, im Chor zum Teil erhalten sind.


Quelle: "Mein Heimatland",
23. Jahrgang, nach Emil Lacroix,
Fotos: Michael Sinther, Elisabeth Böger

 

Zu den wertvollen Wandmalereien ist eine informative Publikation erschienen. Das Büchlein "Die spätgotischen Fresken der Friedhofskapelle Mosbach" (Autorin Ursula Marx, veröffentlicht in der Reihe "Kleiner Kirchenführer" im Verlag Schnell & Steiner) ist gegen eine Schutzgebühr von 3,- € in der Tourist Information Mosbach erhältlich.

 

Weitere Informationen:
Tourist Information Mosbach
, Marktplatz 4, 74821 Mosbach,

Tel. 06261/9188-0, tourist.info@mosbach.de

 

nach oben