Premiere der 1. Mosbacher "Zukunftswerkstatt"

An der 1. Zukunftswerkstatt in der Mälzerei beteiligten sich 60 Bürger. AGs zu "Kommunikation", "Engagement und Teilhabe", "Infrastruktur, Wirtschaft und Versorgung", "Mobilität" und "Lebensqualität". Aus der RNZ vom 02.11.2015.

Pfeil 02.11.2015 10:21

 

Zukunftswerkstatt_7Zukunftswerkstatt_6

Zukunftswerkstatt_2Zukunftswerkstatt_3

Zukunftswerkstatt_4Zukunftswerkstatt_5

"Alles begann mit dem Workshop zur Demographie 2013", erinnerte sich Anja Spitzer am Samstag in der Alten Mälzerei an die Vorgeschichte der ersten Mosbacher "Zukunftswerkstatt". 60 Bürgerinnen und Bürger verbrachten den Vormittag (in fünf Gruppen aufgeteilt) damit, zu erörtern, wohin die Kommune künftig steuern solle. "Sie sind vielleicht selber überrascht, wie viel man in zwei Stunden zusammenbringt, wenn man strukturiert und konzentriert arbeitet", zeigte sich Dr. Susanne Häsler beeindruckt. Die externe Moderatorin von der Stuttgarter Firma "Kommunalentwicklung" verwies auf eine Besonderheit des Plenums: "Es kamen viele konkrete Anregungen."

Zukunftswerkstatt_1Die Ergebnisrunde eröffnete Gerhard Cherdron, der "Berichterstatter" für die Gruppe "Engagement und Teilhabe." Es gebe zwar ein sehr großes Potenzial, aber viele Menschen wollten sich nur projektbezogen einsetzen. Kritisch sah man das Freiwilligenzentrum. Dessen Bekanntheitsgrad sei ausbaufähig. Als niederschwelliges Angebot regte man einen "Marktstand" an, um "den Bedarf zum Potenzial zu bringen." Generell wichtig: die Kommunikation.

Ein sehr breites Thema hatte die Gruppe "Infrastruktur, Wirtschaft und Versorgung" zu beleuchten. "Unser zentraler Ansatz lautete: Was für eine Funktion hat die Stadt dabei?", erläuterte Martin Hess. Der Standort Mosbach müsse vielfältig aufgestellt sein. Denn es gelte, Wohnraum für die verschiedensten Gruppen anzubieten: Studierende, Familien mit Kindern, Senioren oder die zu erwartenden "neuen Mitbewohner" hätten sehr unterschiedliche Bedürfnisse. Selbstkritisch gab der Redner zu bedenken: "Uns ist auch klar, dass ein Begriff wie ‚neue Wohnformen’ nichts bringt. Die müssen nämlich erst noch gefunden werden." Positives wurde anerkannt: Etwa der Bildungsstandort Mosbach. Konkrete Zugabe-Frage: "Warum ankern eigentlich keine Ausflugsschiffe an der Anlegestelle Neckarelz?"

"Es braucht Mut, miteinander zu kommunizieren", stellte Gabriele König dem Statement der Gruppe "Kommunikation" voraus. Jenseits einer Kommunikation auf Augenhöhe gelte es, ein neues "Wir-Gefühl" zu entwickeln. Vielleicht könnten dabei Banner am Stadteingang helfen: "Wir sind Mosbach." Kurzfristig zu realisieren sei eine entsprechende Projektleitungsstelle im Rathaus.

Mit vielen konkreten Maßnahmen wartete die Gruppe "Mobilität" auf. Es gelte, den Straßenverkehr für Fußgänger und Radfahrer sicherer, für Autofahrer dagegen flüssiger zu gestalten, brachte es Steffen Leiblein auf den Punkt. Im Fokus standen folgerichtig optimierte nächtliche Ampelabschaltungen, aber auch Parkplatz-Apps für Studierende, Familien oder Behinderte. Im neuen Quartier an der Bachmühle wurde ein "europäischer Schlüssel" für das Behinderten-WC vermisst. Wichtiges Thema in der Diskussion: "Wie kann das Nachtleben besser an den Öffentlichen Personennahverkehr angeschlossen werden?"

Zukunftswerkstatt_8Konkrete öffentliche Begegnungsräume für Bürger forderte die Gruppe "Lebensqualität" ein. So könne man die Attraktivität der Stadt steigern und eine gemeinsame Identität entwickeln. An Ideen mangelte es nicht. Von altstadtnahen Grillplätzen über eine "Beach-Meile" bis zu einem "Mosbacher Winter" lauteten die Vorschläge, die Jürgen Helfrich auflistete. Qualifizierte Betreuung an Schulen, aber auch die Vielfalt der Jugend-Kulturen war den Teilnehmern zudem wichtig.

"Für mich steht das Thema Kommunikation im Mittelpunkt", kommentierte Oberbürgermeister Michael Jann. Das Grundproblem unserer Zeit sei die Informationsflut. An Stadt-Apps sei man momentan schon dran.

Auch darauf, wie es mit den Ergebnissen der Zukunftswerkstatt weitergehen solle, ging der Rathauschef ein. Nach einer Sichtung durch die Lenkungsgruppe wolle man im ersten Quartal 2016 in den Gremien über eine "Priorisierung und Umsetzung" beraten. "Wir wollen das nicht auf die lange Bank schieben", versprach Jann. Auch wenn das Thema Bürgerbeteiligung derzeit in aller Munde sei, braucht es wohl noch einige Zeit, um vom Kopf in die Füße zu kommen. Denn im Hinblick auf die Zahl der Mitwirkenden ist sicher noch ein wenig Luft nach oben drin.

Aus der Rhein-Neckar-Zeitung vom 02.11.2015, von Peter Lahr.

nach oben