Mosbach kratzt schon am Titel

„Wildeste Region im Wilden Süden“ hieß das Ziel 1997. Nachdem die Pippi Langstrumpf-Männer im Viertelfinale des Sechs-Tage-Radios von SDR 3 den Sieg brachten, trat Mosbach als Vertreter der Region Neckar-Odenwald am Samstag, den 13. September 1997 gegen die erfahrene Mannschaft aus Sandhausen an.

Pfeil 13.09.2017 00:07

Nachdem die Pippi Langstrumpf-Männer im Viertelfinale des Sechs-Tage-Radios von SDR 3 den Sieg brachten, musste Mosbach als Vertreter der Region Neckar-Odenwald am Samstag, den 13. September 1997 gegen die erfahrene Mannschaft aus Sandhausen antreten.

Wilder_Sueden_14-09-1997

Der Zeitungsaufruf an den gesamten Neckar-Odenwald-Kreis, den Wettkampf live auf dem Mosbacher Marktplatz zu unterstützen, hatte dieses Mal gefruchtet, denn Mosbachs gute Stube quoll schon zu Beginn der Spielrunde um 14 Uhr beinahe über. Alle warteten gespannt, welche Aufgaben die SDR-Moderatoren in ihrer Zaubertüte hatten. In Mosbach agierte wiederum das Moderatorenteam Brigitte Egelhaaf und Patrick Neelmeier, in Sandhausen waren Janet Pollok und Christian Pitschmann und im Studio in Stuttgart hatten der mittlerweile legendäre Thomas Schmidt am Mikrofon und Jogi Rathfelder als Musikredakteur das Sagen. Sowohl das örtliche Orga-Team und ihre Unterstützer warteten bang auf die erste Ansage, die nicht lange auf sich warten ließ: Bei der Konstruktionsaufgabe galt es Sänften mit Prinzessinnen und Trägern zu organisieren und davon möglichst viele.

Was daraufhin in und um Mosbach losbrach, hat die Stadt noch nicht gesehen: Betriebe und Privatleute karrten LKW-weise Maschinen und Holz für die Sänften heran, Parkgaragen wurden zu Werkstätten umfunktioniert, die umliegenden Gaststätten, Hallen und Geschäfte wurden geplündert, um die notwendigen Stühle zu beschaffen, Kissen waren zu besorgen, wobei selbst der Heimatverein Neckarelz-Diedesheim nicht ausgespart wurde und aus seinem Fundus Kissen, die sonst bei den Burggrabenkonzerten Verwendung fanden, zur Verfügung stellte und natürlich mussten möglichst viele Mädchen und junge (möglichst leichtgewichtige) Frauen ihr Outfit so in Form bringen, dass sie bei der Ermittlung des Spielergebnisses als Prinzessinnen gewertet werden konnten. Da nicht jeder heimische Kleiderschrank über geeignete Kleidungsstücke verfügte, wurden kurzerhand echte Brautkleider „organisiert“. Schlussendlich stellten sich 520 Sänften, Träger und Prinzessinnen der Jury – ein klarer (Teil-)Sieg für Mosbach! Wilder_Sueden_Saenften_13-09-1997

Hatte man zunächst damit gerechnet, dass auch das Halbfinale wieder ein Kopf an Kopf-Rennen werden würde, so zeichnete sich relativ schnell ab, dass Mosbach seinen immer mehr in Schockstarre fallenden Gegner mit einem Geniestreich nach am anderen völlig auf dem falschen Fuß erwischte und ihn quasi kurzerhand von der Platte putzte. Die gewonnenen Erfahrungen aus der ersten Spielrunde zeigten ihre Wirkung, wie beim präzisesten Schweizer Uhrwerk griff Rädchen in Rädchen und mittlerweile verstand das Mosbacher Team sich blind.

Auch in der Dialektfrage konnte man wieder überzeugen und das gegnerische Kauderwelsch dechiffrieren; die ausgesandten Spione machten sämtliche Bemühungen des Spielgegners zunichte, hier wichtige Punkte zu sammeln.

Bei der „Mission Impossible“, die jeweils erst am Ende der Sendung aufgelöst wurde, mussten an diesem Tag möglichst viele Bademeister auf den Marktplatz gebracht werden. Ganz so einfach machten die SDR-Moderatoren es den konkurrierenden Städten aber nicht: die Herren mussten gleichzeitig als Pamela Anderson verkleidet und mit einem Schwimmring bewaffnet auftreten. Nervenaufreibende Minuten verstrichen bei der Zählung bis das Endergebnis feststand: Und auch hier hatte Mosbach 13 Bademeister mehr als die Kollegen aus Sandhausen aktivieren können und damit einen eindrucksvollen Schlusspunkt ans Ende eines begeisternden Wettkamptages gesetzt. Unter tosendem und nicht enden wollendem Jubel des proppenvollen Marktplatzes gab Thomas Schmidt bekannt, dass man sich am darauffolgenden Tag zum Finale Öhringen gegen Mosbach treffen würde. Begleitet wurde die anschließende rauschende Siegesparty, auf die man trotz der am nächsten Tag wartenden weiteren Hürde nicht verzichten wollte, durch die Sechs-Tage-Hymne „Tubthumping“ der britischen Band Chumbawamba, die in diesen Tagen im ausrichtenden Sender rauf und runter lief.

Nicht unerwähnt bleiben sollte, dass quasi über Nacht die Hinterlassenschaften der verrückten Aufgaben „weggezaubert“ werden mussten. Die Bauhofmitarbeiter bewältigten dieses Gesellenstück mit Bravour; am Sonntagmorgen war weder etwas von den 500 zusammengezimmerten Sänften, noch von der anschließenden Marktplatzfete ein Krümel übrig und viele Innenstadtbewohner fanden auch wieder vorübergehend „entliehene“ für die Spiele notwendige Gegenstände und Gerätschaften in ihrem Besitz wieder.

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