„Mosbacher Straße“ eingeweiht

„Gut Ding will Weile haben, das gilt für viele städtische Projekte“, begrüßte Oberbürgermeister Michael Jann gestern rund 60 kleine und große Gäste an der Clemens-Brentano-Grundschule.
Aus der RNZ vom 17.05.2017.

Pfeil 17.05.2017 15:39

„Gut Ding will Weile haben, das gilt für viele städtische Projekte“, begrüßte Oberbürgermeister Michael Jann gestern rund 60 kleine und große Gäste an der Clemens-Brentano-Grundschule. Es galt, die von Grund auf sanierte „Mosbacher Straße“ einzuweihen. Nicht etwa mit dem schnöden Zerschneiden eines Bandes. Nein, über 30 Schulkinder ließen nach einer temperamentvollen Vorführung Luftballons steigen.

Kinder Einweihung Mosbacher Straße

„Bereits 1999, nach der Fertigstellung des Kreisverkehrs am Badischen Hof, wurde verkündet, dass es bald weitergehen soll“, blickte Jann zurück. Damals wollte man die ehemalige Bundesstraße, die in kommunale Obhut gekommen war, fußgängerfreundlich umgestalten. Schuld an den langen Verzögerungen gab der OB „in erster Linie“ den fehlenden Mitteln. Erst 2009 sei „neuer Schwung“ in das Projekt gekommen, als man im Zuge des städtischen Radverkehrskonzepts die Mosbacher Straße als wichtige innerörtliche Hauptverkehrsstraße und als wichtige Radroute einstufte. Ob der geringen Straßenbreite im alten Ortskern hatte man ursprünglich einen gemeinsamen Geh- und Radweg auf nur einer Seite der Straße vorgesehen. 

Der gemeinsame Gehweg blieb nur in einem Teilbereich erhalten. Auf der restlichen Strecke setzt man nun auf „Schutzstreifen“, die auf beiden Straßenseiten den Fahrradbereich kennzeichnen. „Der Schutzstreifen ist zwar den Radfahrern vorbehalten, er darf aber vom Autofahrer mitbenutzt werden“, erläuterte der Schultes. Für zusätzliche Sicherheit sorge die Tempo-30-Zone – zumindest tagsüber. 

Einweihung Mos.Str.

Dass die Situation an der Ampel für Irritationen sorgen könne, gab Jann zu. Die gefundene Lösung stelle einen Kompromiss dar, gefunden nach vielen Gesprächen. Poller und Ketten leiten hier den Radfahrer auf den Gehweg. Diese Maßnahme soll die an der Ampel wartenden Fußgänger schützen. Dabei handele es sich aber nur um ein Angebot: „Kein Radfahrer ist gezwungen, hochzufahren, er darf auch auf der Fahrbahn bleiben.“

Zudem sorgen an anderen Stellen zwei neue Mittelinseln für höhere „Querungssicherheit“. Barrierefrei werde man die Bushaltestellen „Unterführung“ gestalten und mit neuen Wartehäuschen ausstatten. Nicht nur die Straßenoberfläche, der gesamte Unterbau der alten Bundesstraße war derart desolat, dass man die Strecke komplett neu trassieren musste. Eine Aufgabe, die das Ingenieurbüro für Kommunalplanung bestens gelöst habe. Janns Dank ging an Gerhard und Steffen Leiblein, an Planer Karl-Heinz Bennebach und Bauleiter Bernd Kellermann. Ein hervorragendes Ergebnis habe auch die Firma HLT aus Neckargerach abgeliefert. In 18 Monaten wirkten Christopher Lauber, Bertold Henkel und Thomas Edelmann mit ihrer „Truppe“ bestens vor Ort. 

Einweihung Mosbacher Str

Die größten Härten für Bewohner und Betriebe habe man durch viele Gespräche vermeiden können, bedankte sich der Schultes für das entgegengebrachte Verständnis. Zum unangenehmsten Teil des Projekts zählte Jann die Kosten – und relativierte sie mit einer Milch-Rechnung. Wenn man den Preis eines laufenden Meters Straße bei 2000 Euro ansetze, ergäbe sich für einen Liter Straße 2 Euro. „Gerade mal doppelt so viel wie ein Liter Milch. Das Problem ist, dass es sehr sehr sehr viele Liter waren.“ Die Gesamtkosten von zwei Millionen Euro konnte man immerhin reduzieren. Im Rahmen der Radwegförderung bezuschusste das Land die Mosbacher Straße mit 533 000 Euro. Nicht mit leeren Händen kam Jochen Ernst vom Regierungspräsidium. Er hatte den Förderbescheid für den geplanten Radweg von der Innenstadt zur Johannes-Diakonie mitgebracht. „Im Großen und Ganzen“ positiv bewertete Walter Heidemann vom adfc das Projekt. Doch regte er dringend an, die Ketten an den Pollern sichtbarer zu gestalten, sonst wären Stürze vorprogrammiert.

 

Aus der Rhein-Neckar-Zeitung vom 17. Mai 2017, von Peter Lahr.

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